Eigentlich sollte man in rein maskuliner Runde Fahrrad fahren und Bier trinken an diesem Tag. Aber da man Männertag bis zum Abwinken auch auf einem Fesselflugplatz feiern kann und auch Schumi mit Tross in Österreich weilte, hieß es am Mittwoch um 20.00 Uhr Abfahrt in Richtung Salzburg. Gegen 5.00 Uhr angekommen begrüßte uns ein wunderschöner Tag in Österreich. Die Sonne schien, als wolle sie alles aufholen, was sie in den letzten Tagen versäumt hatte. Also wurde das Training auf ein Minimum reduziert und der Ruhe und dem Alkohol gefrönt. Im Laufe des Tages kamen immer mehr Teilnehmer zu diesem Traditionswettbewerb oder "Bewerb" wie man hier sagt. Als es dann etwas kühler wurde, blies ein bockiger Wind, so dass wir beschlossen, auch ohne Training diese Hürde zu nehmen.

Für alle diejenigen von Euch, die noch nie hier waren stellen wir die Sportanlage bald in aller Ausführlichkeit hier vor.

Der Terminplan sah einen gemütlichen Bewerb vor, an jedem Tag sollte ein Durchgang geflogen werden, diese Zeitreserven wünsche ich mir mal in Bitterfeld.

An Modellen wenig Neues. Peter Germann aus der Schweiz hat den Durchbruch in Sachen Vier - Takt - Technik geschafft. Sein Modell zieht kraftvoll seine Runden und das beim klassischen Sound eines solchen Treiblings. Dass Peter hier auf dem Erfolgsweg ist, konnte man übrigens auch einer Mail entnehmen, in der er seine Zweitaktmotore zum Verkauf anbot. Vielleicht ein gar nicht so schlechter Weg, die Brücken hinter sich abzuschneiden, um so konsequenter muß man sich auf die neue Variante konzentrieren.

Richard Kornmeier brachte sein neues WM Modell, das Schreck & Co. gefertigt hatten an den Start. Das Ding wiegt mit einem ST 60 1520 g und fliegt hervorragend - natürlich nicht von selbst sondern durch Richard gesteuert.

Ich wünsche Richard bereits jetzt von dieser Stelle aus viel Erfolg für die WM 2002 in Sebnitz.

Am Abend dann natürlich wieder das obligatorische Grillen und wir wären nicht in Salzburg, wenn wir nicht die Klänge einer Trompete vernehmen würden. Immer wieder Klasse die Soli von Klaus Steinbauer.

Es war spät in der Nacht als die Letzten in Ihre Zelte verschwunden waren, ein leichter Knoblauchduft lag über den Zelten und anheimelndes Schnarchen wiegte mich sanft in den Schlaf.

Am folgenden Morgen traute ich meinen Ohren nicht - Regentropfen auf dem Wohnwagendach weckten mich unsanft. Nein, nicht schon wieder Regen, davon hatten wir vom vergangenen Wochenende noch genug !

Aber leider wechselte sich dieser am Laufe des Tages noch öfters mit Sonnenschein ab.

Um 10.00 Uhr begannen die Kunstflieger und um 12.00 war Eröffnung. Nicht ganz gewöhnlich aber was soll's. Oswald Hajek, der Obmann des ÖMV-MFC-Salzburg eröffnete das 3. Hans Niederwimmer Gedächtnisfliegen und über 90 Wettbewerber hatten sich in den drei Klassen eingeschrieben. Georg Kopp und Wolfgang Gruber schlossen sich mit den besten Wünschen an.

Und selbst der Bauer, der die angrenzenden Felder bewirtschaftet schickte uns seine Liebesgrüße, nein nicht aus der Lederhose sondern aus einem Güllersprenger. Man betrachte den Windsack, er ist genau auf uns gerichtet und so auch die Duftwolke, die dem kleinen Wägelchen entsprang.

Aber weder der leichte Nieselregen noch die Güllefahne konnten die Stimmung schmälern und so ging es nach dem Mittagessen dann in allen Klassen weiter.

Am Vormittag wurde im F2C Kreis bereits fleißig trainiert, denn es waren 17 ( ! ) Mannschaften angereist, um ihre Besten zu ermitteln. Bondarenko Lerner aus der Ukraine hatten ihren neusten Motor im Einsatz. Wie mir Udo Kiel aus Sebnitz erzählte, gibt es nun keinen abgesetzten Zylinderkopf mehr und was vielleicht auch ganz interessant ist, man kann die Maschine mit der Rennluftschraube warmlaufen lassen. Also fällt das lästige Luftschraubenwechseln weg.

Im Übrigen ist das Modell unheimlich schnell und hat mit der 33 Rundenmarke nicht die Spur eines Problems. An Bondarenko/Lerner wird wohl zur WM in Sebnitz kein Weg zum Treppchen vorbei gehen !

Am Abend kam er dann, der Regen. Eine große dunkle Wand zog heran und auf dem Campingplatz begann ein hektisches Treiben. Sachen bergen und Zelte sichern war angesagt. Kaum waren wir fertig, begann es wie aus Eimern zu schütten. Selbst die Sicherungen hatten keine Lust bei so viel Feuchtigkeit und schalteten uns einfach ab. So hieß es bei Kerzenschein im Zelt verharren.

Am nächsten Morgen schien dann wieder die Sonne. Regenwahrscheinlichkeit 40% sagte der Rennwettebericht, Schumi wartete bestimmt auf die 40% Regen, wir auf die 60% Sonnenschein.

Geza hatte Geburtstag und den ersten Flug der Konkurrenz. Pünktlich um 9.00 Uhr stellten wir uns auf. Geza flog hervorragend zu Ehren seines 69. Wiegenfestes und wir sangen und applaudierten nach Leibeskräften.

Danach ging es dann mit österreichischer Gemütlichkeit weiter. Wir waren bereits am Vormittag fertig, so dass die Damen in Kultur machten und ich in aller Seelenruhe mir das dritte Rennen im Team - Race anschauen konnte. Leider war unser einziges deutsche Team nicht vom Glück begünstigt. Nach zwei Disqualifikationen reichten 4:25,8 natürlich nicht für einen Platz im Semifinale. Ein Blick auf die Wertungslisten ließ erkennen, dass es nach aller Voraussicht ein spannendes Finale geben würde, denn vier Mannschaften bewegten sich im Zeitfenster zwischen 3:11 bis 3:18 . Und so wie Schumi an diesem Tag nach dem Training nur Platz drei belegte, befanden sich Bondarenko/Lerner zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei, für den sie allerdings nur einen Flug benötigten.

Interessant auch ein Junior als Mechaniker. Konrad Csibi-Kuti aus Rumänien arbeitete wie ein Alter am Modell. Aus ihm wir bestimmt noch mal ein Könner in dieser Klasse.

Am Abend schauten wir noch manchem Spezialisten über die Schulter. Alexander Schreck zeigte uns, wie er seine Schaumstoffflächen fertigt. Als Basismaterial dient ihm ganz normales Schaumpolystyrol mit einer Dichte von 16 - 17 g/dm³. Dieses beschichtet er mit 1,5 mm Balsaholz, welches mit Epoxy unter Vakuum 0,2 bar verklebt wird. Die Flächen wiegen mit Randbogen und Papierbeschichtung 260g !

Am Sonntag dann die Semifinale und die Finale in F2C sowie die dritten Läufe in Speed und Acro. Guter hatte Glück im Unglück - ein Innenriss des Kabels in der Fläche zwang ihn zu mehreren ungewollten Loopings und einer Landung Kopfüber im Gras. Sind sonst solche Einlagen meist mit einem Modellverlust verbunden hielten sich hier aber die Schäden in Grenzen.

Spannend die Halbfinale. Bondarenko Lerner wurden im ersten Halbfinale disqualifiziert, siegten aber unangefochten im zweiten. 3:11, das war die Norm, und wer langsamer als 3:17 flog, war schon draußen.

14.30 Uhr begann dann das Finale in der F2C, 30 Minuten nach dem Start in der Formel 1, so dass wir beide Ereignisse in Ruhe verfolgen konnten. Leider wurde das Italienische Team in einen Autounfall verwickelt, so dass es nur ein Zwei - Mannschaften - Finale zwischen den Ukrainern Bondarenko Lerner und den Franzosen Ougen/Surugue gab. Das allerdings war spannend wie selten. Die Modelle gleich schnell, entschieden die Mechaniker das Finale. Drei mal landeten die Franzosen direkt hinter den Ukrainern. Da sie die Startstelle in Flugrichtung genau einen Sektor nach den Ukrainern aufgebaut hatten, zwangen sie so diese zum Warten vor dem Tanken. Am Schluss siegte die Routine und damit Bondarenko/Lerner.

Großer Applaus war der Dank des Publikums. Für die WM in Sebnitz sind bestimmt spannende Neuauflagen zu erwarten.

Gegen 15.30 Begann die Siegerehrung. Der erste Dank des Vorsitzenden galt natürlich den vielen Schiedsrichtern und Helfern, die zum Gelingen dieses schönen Wettbewerbes beigetragen haben.

Bevor ich meinen Bericht mit den Siegerphotos beende, möchte auch ich mich im Namen des Bitterfelder Teams recht herzlich für diesen Wettbewerb bedanken und versichern, dass wir auch im Jahr 2004 zu den Stammkunden dieses Bewerbs zählen werden. Bis dahin wünschen wir den Österreichischen Modellsportfreunden in Kraiwiesen viel Erfolg und Schaffenskraft !

Matthias