Sonntag und Sonne ohne Ende. Ein relativ starker Wind lässt es kühl erscheinen, aber manch einer wird in wenigen Stunden bestimmt Probleme mit seiner Hautfarbe bekommen.

Wir fahren pünktlich um 9.00 Uhr auf den Platz, denn noch weiß keiner, wann die Processing - Zeiten sind. Wir stellen uns erst einmal etwas günstig mit unserem Wohnmobil auf, aber diesbezüglich herrscht deutsche Ordnung und wir werden auf den Parkplatz verwiesen. Fast wie bei uns zu Hause, nur wir stellen gleich eine Wachkraft hin.

Processing soll dann am frühen Nachmittag in Rouille stattfinden und gegen 15.00 Uhr soll der Mannschaftsphototermin sein. Die deutsche Mannschaft in einheitlicher Kleidung wird man wohl in Sebnitz zum ersten und zum letzten Mal erlebt haben. Es lebe die Selbstverwirklichung, Kampf dem Uniformzwang ! Man einigt sich schließlich auf einheitliches Rouille-T-Shirt, das wir natürlich auf dem Campingplatz gelassen haben. Zudem waren wir leider nicht komplett, denn unsere Combatleute waren wie vom Erdboden verschwunden. So vertrat einzig Anja auf dem Photo diese Zunft !

Die deutsche Mannschaft ist diesmal relativ klein. Deshalb haben wir noch ein Photo mit allen Helfern, Mitreisenden und Fangemeinde gemacht, denn selbst unser Bürgemeister, Dr. Werner Rauball - 2. Reihe, 2.v.l - hatte es sich nicht nehmen lassen, uns zu besuchen.

Wie gesagt, die eigentliche deutsche Mannschaft war klein. Vollständig einzig die Fuchsjäger und die Kunstflieger, wobei bei letzteren schon gewaltig aufgerückt wurde. Von den Mannschaftsrennern wollte in diesem Jahr keiner starten und bei Speed halten nur Birnsteins die Fahnen hoch. Für mich um so unverständlicher, warum wir dann nicht mit dem zweiten Junior aufgefüllt haben, der ohnehin mit hier ist. Wer hier in Formalismus von wegen fehlender Qualifikation und so macht, der sollte mal über den Sinn von Sport im allgemeinen und Jugendarbeit im Besonderen philosophieren.

Zentraler Anlaufpunkt der Biertresen. Ähnlich wie vor zwei Jahren in Spanien profitiert der Ausschank von den Temperaturen. Wenn man die Trainierenden pusten lassen würde, dann bekäme mancher bestimmt Probleme. Die Werbung am Stand ist zwar auf Orangenlimonade ausgerichtet, das ist aber garantiert das Getränk, dass am wenigsten nachgefragt wird.

Am frühen Nachmittag dann Processing in Rouille. Es ging gemütlich zu, nach der Mittagspause waren wir dran und es ging ohne jegliche Komplikation.

Am Nachmittag eröffnete uns Christoph, dass er Geburtstag hat. 33 Jahre wurde er, eigentlich ein richtiges Alter um mal ganz vorn zu landen. Wir gratulieren ihm von ganzen Herzen und wünschen  mindestens einen Platz im Finale.

Die Temperaturen nahmen mittlerweile tropische Werte an, so dass wir uns entschlossen, das Feld zu räumen und etwas am Pool zu relaxen. Gegen 21.30 Uhr sollte dann die Eröffnung sein, eingebunden in die Aktivitäten des Nationalfeiertages, wie es im Bulletin hieß. Pünktlich auf die Minute sind wir auf dem Stellplatz. Ich habe vor kurzem in einer deutschen Zeitung gelesen, was die Franzosen an und mögen und was nicht. Zu letzterem gehört unsere Pünktlichkeit. Jedenfalls ging es dann knapp eine Stunde später los. Unter dem Klang einer Kapelle und in Begleitung der Freiwilligen Feuerwehr von Roille zogen wir in das Stadion ein. Roille, so sagt man, soll ca. 2.500 Einwohner haben. Ich glaube, mindestens 2.490 waren an diesem Abend auf den Beinen. Sie standen an den Strassen und begrüßten uns in einem taghell erleuchteten Flutlichtstadion. Für uns unerwartete Möglichkeiten zum photographieren. Ich begab mich also hinter die Absperrung des Feuerwerkes und fragte, ob noch eine Steckdose für meinen PC frei wäre. Man stelle sich das einmal in Deutschland vor. Ich glaube, ich wäre als potentieller Terrorist unverzüglich verhaftet worden.

Dann begann eine unerwartet eindrucksvolle Eröffnungsveranstaltung. Den Eid sprachen Junioren aus der Ukraine, Deutschland, England, Frankreich und Spanien. Anschließend eröffnete Andreas Ree die Europameisterschaft 2003. Und dann kam etwas, was bei uns undenkbar wäre, Serge Delabarde sang gemeinsam mit Sergio Tomelleri (ITA) die Marseillaise - nicht opernreif aber dafür mit sehr viel Gefühl.

Und dann hatte man ein Feuerwerk vom feinsten. Unter den Klängen von Popp bis Klassik zeichneten hunderte von Feuerwerkskörper bunte Fontainen in den Nachthimmel über Rouille. Stürmischer Beifall war der Dank für diese außergewöhnliche gelungene Veranstaltung. Anschließend ging für die Bewohner die Feier erst richtig los, wir suchten aber unser Quartier auf, denn morgen galt es wirklich.